Almas letzte Geschichte

Almas letzte Geschichte

Unsere wunderbare, wunderschöne und so tapfere Alma hat uns am 4. November 2018 für immer verlassen, wir sind unfassbar traurig.

Alma hatte sich von der Radiojodtherapie und dem (gutartigen) Tumor in ihrem Hals prächtig erholt, sie genoss ihr Leben in vollen Zügen und machte uns endlos viel Freude mit ihrem fröhlichen Krähen (miauen konnte sie nicht), ihrem elefantenähnlichen Getrappel, ihrem heftigen Schaukeln auf der Hollywoodschaukel und dem Herumkullern im Garten auf den warmen Steinen. Den heißen Sommer 2018 durfte sie noch erleben und genießen, aber im September mäkelte sie sehr an ihrem Futter herum, obwohl wir ihr ein Buffet nach dem anderen aufbauten. Außerdem fiel mir auf, dass sie sehr lange für den Urinabsatz brauchte und die Knubbel, die sie in den Klos hinterließ, deutlich kleiner waren als üblich.

Der erste Tierarzt stellte leicht erhöhte Nierenwerte fest und entließ uns mit dem Rat zu Diätfutter, welches wir ihr nicht gaben, aus guten Gründen. Der zweite Tierarzt drückte Almas Blase aus – der Urin war sehr dunkel und ging ins Labor. „Massenhaft Blut“, hieß es, alle anderen Werte in Ordnung. Es erfolgte eine Ultraschalluntersuchung, die das wahre Ausmaß von Almas schwerer Erkrankung zeigte: Ein großer Tumor am Blasenhals, inoperabel… Wir waren am Boden zerstört, fragten weitere Tierärzte um Rat, aber es hieß immer nur, wir sollten Alma noch eine schöne Zeit machen.

Kurz vor der schlimmen Diagnose fuhr unsere Tochter, Almas beste Freundin, in Urlaub. Da es Alma immer schlechter ging, beendete sie den Urlaub vorzeitig. Ich erzählte Alma, dass ihre Freundin bald wieder da ist, und das süße Katzenmädchen hockte sich in ihr Zimmer und wartete:

Ende Oktober stellten wir Alma noch einmal einem anderen Tierarzt vor, und zwar dem, der Monty damals gerettet hatte. Endlich fühlten wir uns mit Alma gut und ehrlich aufgehoben. Er bestellte eine Ultraschall-Expertin in seine Praxis, die jedoch auch nur noch die schlimme Diagnose bestätigen konnte. Almas Bauchorgane waren durchweg gesund und normal, „nur“ die Blase nicht… Aber die kleine Maus fühlte sich in der Praxis so wohl wie schon lange nicht mehr. Sie durfte in einem sehr großen Raum frei herumspazieren, was sie sichtlich genoss. Sie erkundete alles fröhlich quakend, sprang auf eine hohe Theke und „lachte“ uns von dort aus an.

Wieder zu Hause, spielte sie wild mit einem Plüsch-Mäuschen, sie wirkte so aufgeblüht und munter:

Leider ging es ihr am nächsten Tag wieder sehr schlecht. Entweder schlief sie, oder sie hatte heftige Pipi-Attacken, in denen sie Tag und Nacht stundenlang im 10-Sekunden-Takt auf ihre Klöchen lief und mehrere Minuten für ein paar Tröpfchen Pipi brauchte. Manchmal pieselte sie in ihrer Not auch an die falschen Stellen, einmal sogar in Nelsis Futternapf. Zusätzlich zu den sechs Klos in unserem Haus stellten wir noch 11 kleine Plastikkisten auf, die wir mit Betteinlagen auslegten. Alma nahm diese „Klöchen“ sofort an, sie was so brav und so tapfer! Auf dem Balkon nutzte sie ein ganz besonderes Klo:

Anfang November zeigte Alma uns zunächst nur hin und wieder, dann immer öfter, dass sie Schmerzen hatte. Natürlich bekam sie während der ganzen Zeit ihrer Erkrankung viele verschiedene Medikamente, die aber nun zu versagen schienen. Sie kauerte nur noch, stöhnte und zitterte und bekam einen sehr abwesenden Blick. Dennoch entdeckte sie in ihren letzten Tagen eine Kratzbaumplattform, die sie unbedingt erklimmen wollte. Das Filmchen entstand einen Tag vor ihrem Tod: Klick!

Am Samstagabend war abzusehen, dass wir Alma helfen mussten. Sie erbrach nun häufig und zog sich zurück. Sie schnurrte noch ein einziges Mal, als wir sie fest im Arm hielten. Wir entschieden, am Sonntagmorgen unseren Tierarzt zu bitten, Alma zu erlösen. Leider erfuhren wir am Telefon, dass nur eine Vertretung in der Praxis war, die nicht bereit war, nach der Sprechstunde zu kommen. Den weiten Weg in die Klinik wollten wir Alma aber auch nicht mehr zumuten. Über unsere ältere Tochter fanden wir nach langem Suchen eine Tierärztin aus einer Nachbarstadt, die bereit war, Alma zu helfen. Sie kam recht schnell, war sehr einfühlsam und so konnte Alma, begleitet von all unserer Liebe und unzähligen Tränen, in den Katzenhimmel einziehen.

Geliebtes Alma-Mädchen, du warst, wie jede Katze, einzigartig. Du warst immer gut gelaunt und fröhlich, du vertrugst dich mit allen anderen Katzen, du warst zutraulich zu allen Menschen. Dein Quaken und Krähen (miauen konntest du ja nicht), deine kleinen Trampelschritte, dein Schmusen an unserem Gesicht, wenn wir gerade unsere Lippen eingefettet hatten, dein Schnurren im Bett und auch dein kurzes Schlagen, wenn wir dich zu lange streichelten oder uns anmaßten, uns zu dir in unser Bett zu legen – all das werden wir unendlich vermissen. Und Alma, du warst so wunderschön mit deinen fragenden und erstaunten Augen, deinem bunten Fell und deinen weiße Pfötchen, die niemand anfassen durfte. Wir hoffen so sehr, dass du dich bei uns wohlgefühlt hast, nachdem du vor über 10 Jahren von einem Moment auf den anderen deine vertrauten Menschen, deine letzten Babys und dein Zuhause verloren hattest. Leider interessierten sich die Menschen, denen du so viele wunderschöne Babys geschenkt hattest, sehr schnell nicht mehr für dich. Zum Glück aber fühltest du dich schon nach zwei Tagen bei uns zuhause. Wir taten unser Bestes für dich und wir taten es von Herzen gerne. Und wir würden so gerne noch ein paar tausend deiner Pipitröpfchen wegputzen, aber du solltest nicht mehr leiden… Unsere Wege haben sich nun getrennt, aber du wirst immer in unseren Herzen sein, wir werden dich nie vergessen! 

Und noch etwas, du Süße: Ohne dich hätten wir weder Silvia mit Merlin noch Dr. Marietta Bartels oder Martina aus der Schweiz kennengelernt, alle haben uns immer wieder über die letzte schwere Zeit hinweggetröstet. Auch dafür sind wir dir und natürlich auch ihnen sehr dankbar.

Trauer ist Liebe, die heimatlos geworden ist…

Du wirst in der Nacht die Sterne anschauen.

Mein Stern wird für dich einer der Sterne sein.

Dann wirst du alle Sterne gern anschauen

und alle werden sie deine Freunde sein.

Wenn du in der Nacht den Himmel betrachtest,

weil ich auf einem von ihnen wohne,

dann wird es für dich so sein,

als ob alle Sterne lachten,

weil ich auf einem von ihnen lache.

(Antoine de Saint-Exupéry)