Finchens erste und letzte Geschichte

Finchens erste und letzte Geschichte

Geliebtes Finchen, nun muss ich auch für dich mit so schwerem Herzen eine Geschichte schreiben.

Wir haben dein Leben vom Anfang bis zum Ende begleitet. Schon mit vier Wochen hast du dich auf meinen Arm gebettelt und gepiepst, und es war sofort um mich geschehen. Ich habe dich so geliebt, du kleine Maus, und du wolltest immer bei mir sein. Wie durch ein unsichtbares Gummiband waren wir miteinander verbunden. Knappe 15 Jahre alt durftest du werden, bevor wir dich in Liebe loslassen mussten.

Als deine Vorbesitzer dich im Alter von drei Monaten zu uns brachten, erfuhren wir von einem auffälligen Herzgeräusch. Wir machten uns große Sorgen, und als du mit neun Monaten rollig wurdest, ließen wir dein Herzchen mittels Ultraschall untersuchen, denn nun stand die Kastration an. HCM solltest du haben, wir waren so traurig über diesen Befund. Es wurden Vorsichtsmaßnehmen für die Kastration eingeleitet, Herzmedikamente waren noch nicht nötig, aber du solltest Entwässerungstabletten bekommen. Die Kastration mussten wir zweimal absagen, weil du jedes Mal bei der Tierärztin Fieber hattest, zu Hause jedoch nicht. Beim dritten Termin wurde die Kastration trotz der erhöhten Temperatur durchgeführt, und du sprangst noch am selben Abend herum als wäre nichts gewesen.

Tierärzte hast du in deinem Leben kaum gesehen. Impfen ließen wir dich nur bis du sechs Jahre alt warst, dein Herzchen erschien mir immer gesund, du konntest toben und flitzen ohne ein einziges Problem. Und du warst so eine witzige und liebevolle Katze, hast alle Neuzugänge hier immer freundlich begrüßt, gingst auf fremde Menschen zu und konntest singen wie die Callas! Vor Nelsi und Litai hattest du Angst, sie jagten dich gerne mal, und das mochtest du gar nicht.

Du warst meine ganz große Liebe, mein kleines Püppchen!

Wenige Monate nach Almas Tod wurdest du schlanker, aber dabei gleichzeitig auch so viel mutiger und lustiger. Deine Arien trugst du nun jeden Abend vor, und du kamst plötzlich auch wieder ins Wohnzimmer und hattest keine Angst mehr vor den Katern. Trotzdem stimmte etwas nicht, und im Frühling 2019 war ich mir sicher, dass auch du, genau wie Nelsi, eine Schilddrüsenüberfunktion hattest. Wir fuhren zur Tierärztin und ließen Blut abnehmen. Wieder warst du unglaublich tapfer, dein Herzchen raste, aber du hattest alles gut überstanden.

Am nächsten Tag kam das Blutergebnis, meine Vermutung war leider richtig, auch du hattest eine Überfunktion der Schilddrüse. Und auch du bekamst die Thiamazol-Ohrensalbe, was zu Beginn nicht ganz einfach war, weil du es nicht so sehr mochtest, wenn man dir deine Frisur durcheinander brachte. Aber nach wenigen Tagen hattest du dich daran gewöhnt und konntest das Öhrchenknuddeln sogar schnurrend genießen.

Die nächste Blutkontrolle einige Wochen später zeigte, dass deine Schilddrüse wieder wunderbar arbeitete, nur wolltest du noch nicht an Gewicht zulegen. Alle anderen Blutwerte waren ebenfalls sehr gut, also schien es, als müssten wir noch etwas Geduld haben.

Ein paar Wochen später fingst du an zu mäkeln. Dein heißgeliebtes Trockenfutter wolltest du gar nicht mehr, plötzlich standest du total auf Nassfutter, was mich einserseits freute, andererseits aber auch nachdenklich machte. Die Häppchen, die du zu dir nahmst, wurden immer kleiner, die Auswahl, die ich dir vorsetzte, immer größer. Ich zog mit dir nachts ins Gästezimmer, damit du dort immer Futter zur freien Verfügung hattest. Anfangs schlecktest du die Näpfchen noch leer, doch dann blieb auch dieses Futter zum großen Teil stehen. Ich pürierte dir dein Futter, das half eine Weile, aber leider auch nicht sehr lange. 

Die Tierärztin riet uns zu einem Ultraschall des Bauchraums und zur Sanierung deiner Zähnchen. Der Ultraschalltermin war am 29. November 2019 und legte unsere Welt in Scherben. Nach der ersten guten Nachricht, dass dein Herzchen völlig gesund war, kam die Nachricht, die mir den Boden unter den Füßen wegzog. Drei bösartige Lymphome im Bäuchlein, schon sehr groß, und eine Bauchfellentzündung! Inoperabel, unheilbar, wir werden dich verlieren, mein liebes und wieder so tapferes Finchen! Ein Leben ohne Finchen – es war nicht vorstellbar.

Wir versuchten es noch mit ein paar Medikamenten, gaben dir Futter direkt ins Mäulchen, verwöhnten dich mit Leckerchen und endlosen Streicheleinheiten und Küsschen. Aber du vergingst immer mehr, wurdest immer schwächer, wolltest nicht mehr essen, nur noch trinken. Und immer noch warst du unfassbar tapfer, gingst auf dein Klöchen, kamst nachts ins Bett und hast geschnurrt und getretelt.

Als deine rechte Pupille sich plötzlich nicht mehr bei Lichteinfall zusammenzog, du anfingst zu hinken und schwer zu atmen, wussten wir, dass wir dir helfen mussten. Es war ein unglaublich schwerer Entschluss, aber er wurde in Liebe und nur für dich getroffen. Was sind schon unsere Tränen gegen dein Leid? Am 14. Dezember 2019 kam unser “alter” Tierarzt und erlöste dich sanft von all deinen Schmerzen. Wir sind unendlich traurig und werden dich immer in unseren Herzen tragen. Kleines Finchen, du bleibst unvergessen!

 

Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.

(Mahatma Gandhi)

 

Und die Sonne trug Trauer,

vom Himmel fielen Tränen,

der Wind schwieg und

alles verstummte, denn

es war ein Engel, der in Liebe starb.

(Autor unbekannt)